DIE FILMLISTE  Januar  2013

Sonntag, 13. Januar 2013 - 3.20 - 4.05 3sat


Betrachtungen und Reflexionen Cézannes
Essay, Frankreich, 2003, 45 min
Nach anderthalb Jahrzehnten sind die Regisseure Danièle Huillet und Jean-Marie Straub zu dem Maler zurückgekehrt, dem sie den höchsten Rang in der neueren Malerei zuerkennen. Ihre Beziehung zu Paul Cézanne ist eine geistige Verwandtschaft. So wie Cézanne sich restlos in seiner Malerei realisierte, so gehen Straub/Huillet in ihrer filmkünstlerischen Arbeit auf. 
"Ein Besuch im Louvre" basiert auf Kapiteln des Buches "Cézanne - Ce qu'il m'a dit" von Joachim Gasquet, der nach dem Tod des Malers im Jahr 1906 in fingierten Gesprächen zusammenfasste, was er in den zehn Jahren der Bekanntschaft mit Cézanne von ihm vernommen und aufgeschrieben hatte. Straub/Huillet stellen Cézannes Betrachtungen und Reflexionen den Gemälden von Veronese, Tintoretto, Delacroix, Courbet und David gegenüber. Gesprochen von der Schauspielerin Julie Koltaï kreieren die von Gasquet und Straub/Huillet übermittelten Cézanne-Worte durch ihre starke Emotionalität eine große physische Präsenz des Malers angesichts der - von William Lubtchansky exzellent fotografierten - Werke des Louvre.

 

Sonntag, 13. Januar 2013 - 5.00 - 5.25 arte
                            Antonio Seguí – Maler
 Frankreich, 2008, 26 min


"Ich erzähle keine Geschichten, wobei ... meine Bilder wirken schon sehr, wie die Geschichte meiner Kindheit, nicht wahr?", sagt Antonio Seguí und schmunzelt. Seit über 40 Jahren lebt und arbeitet der 1934 in Córdoba, Argentinien, geborene Maler nun in Paris. Dass er so lange hier bleiben würde, hätte er anfangs nie für möglich gehalten. Seine Lieblingsutensilien sind Kohlestifte. Mit diesen kreiert Seguí die farbigen Bilder, die ein immer wiederkehrendes Motiv enthalten: ein seitlich abgebildeter Mann mit Hakennase, meist vom Kopf bis zur Hüfte zu sehen. Ob als Porträt oder in einem großen Wandgemälde, diese Figuren sind zum Markenzeichen des Argentiniers geworden. "Seine Figuren sind immer aktiv, sie können einfach nicht stehen bleiben. Und obwohl sie sich so ähnlich sehen, sind sie doch alle unterschiedlich. Das gefällt mir sehr", erzählt der Schriftsteller Gilbert Lascault. Für öffentliche Aufträge kehrt Seguí gelegentlich in sein Geburtsland Argentinien zurück. Dem in Südamerika als Star gefeierten Maler widmete das Pariser Centre Georges Pompidou 2005 eine Retrospektive. In diesem Jahr stellen seine beiden Heimatstädte Córdoba und Paris Werke von ihm aus. Der vielbeschäftigte Künstler, Maler, Bildhauer, Grafiker und Sammler Antonio Seguí lädt "Künstler hautnah" in seine Welt voller Farben und verschiedener Persönlichkeiten ein. Zu Wort kommen neben dem Schriftsteller Gilbert Lascault der Kunsthändler Marwan Hoss sowie der Kunstkritiker Daniel Abadie.

 

Donnerstag, 17. Januar 2013 - 9.45 - 10.15 arte
                       Ingres: Porträts, Frankreich, 2008, 26 min


Der französische Maler Jean-Auguste-Dominique Ingres (1780-1868) schuf vor allem klassische Historienmalerei, Porträts sowie eine Reihe von Aktbildern. Ingres entwickelte seinen eigenen Stil, der sich durch Linearität und kühle Farbgebung dem Klassizismus zuordnen lässt. Hector Obalk beschäftigt sich in dieser zweiten Episode über Ingres mit dessen Porträts. Beim Erforschen der prachtvollen Gemälde und sinnlich ausschattierten Bleistiftzeichnungen von Ingres stellt man fest, dass der als reaktionär verschriene und angeblich dem 19. Jahrhundert verhaftete Maler keineswegs als "akademisch" einzustufen ist, sondern als ein Vorreiter unserer heutigen "hochauflösenden" Abbildungsästhetik gelten kann.